
Ich klammerte mich an den Stangen vor mir fest und glich jedes Loch im Boden, jede fehlende Latte auf den Holzbrücken aus, indem ich mich von meinem knallroten Sitzplatz erhob. Die Fahrt in kleinen Geländefahrzeugen zu den Minen von AMATAF am 15.10. führte uns ein paar Stunden durch den Amazonas Wald, bis er nicht mehr da war und wir durch eine unwirkliche Mondlandschaft holperten, die illegalen Goldminen, wurde mir erklärt.

Schon nach zehn Minuten Fahrt mussten wir anhalten: Drei Baumstämme waren auf unseren Weg gefallen und mussten zersägt werden.

Verlassene illegale Goldminen, rings um die Fairmined Minen.
Als wir endlich bei der ersten Fairmined-zertifizierten Mine, ABEL 3, ankamen, wurde es wieder etwas grüner, und hier und da stand ein Kieshügel, aus dem kleine grüne Pflanzen sprießten. Die ersten Ansätze der Renaturierung, erklärte man uns. Wir, eine Gruppe von Goldschmied*innen und Goldhändler*innen aus Europa und Nordamerika, wurden von den Mitarbeiter*innen herzlich empfangen und nahmen uns gegenseitig neugierig ins Auge. Es ist das erste mal, das ich Minenarbeiter*innen von Fairmined in Peru persönlich kennengelerne.

Neider, Luis, Vilma und Gina von Fairmined.
Bevor wir zur Abbaustelle fuhren, hießen uns Vilma, Präsidentin von AMATAF, und ihr Mann Luis, Inhaber der Abbaurechte, willkommen. Vilmas Augen leuchteten, als sie uns sagte: „Seht mit eigenen Augen, wie wir hier versuchen, verantwortungsvoll zu arbeiten, während das um uns herum niemand macht.“ Man spürte, dass sie sich mit Herzblut dafür einsetzt, verantwortungsvolles Arbeiten zu verbreiten. Den Verband nutzt sie auch, um anderen Minenarbeiter*innen beizubringen, wie sie diesen Weg einschlagen können.

Auf einem Floß die Maschine, die den Schlamm nach oben pumpt.
Dann war es endlich so weit: Wir konnten uns anschauen, wie das Gold aus der Erde geholt wurde. Wir gingen in keinen Stollen unter der Erde, so wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Der Abbau war alluvial: Aus einer mit Wasser gefüllten Grube wurde ein Gemisch aus Sand, Wasser und Gold hochgepumpt und über eine Rutsche wieder hinuntergespült. Die Rutsche war mit einer Matte ausgelegt, an der der Goldschlamm anhaftete. Was hier hängen blieb, wurde weiterverarbeitet: In einem zweiten Schritt wurde der kostbare Schlamm auf einer schrägen Fläche mit Wasser gewaschen, und das schwerere Gold setzte sich oben ab. Und das alles ohne Quecksilber, wie man uns erklärte. Dieses hochkonzentrierte Goldgemisch sahen wir am nächsten Tag in der Aufbereitungsanlage wieder.

Im Hintergrund die Rutsche auf der das Gold in Matten aufgefangen wird.

Eine Recylcing Station mitten in der Mine.

Safety first, mit Johanna Brierley, Goldschmiedin aus Toronto.

Weiter ging es mit unseren Geländefahrzeugen zur Mine Fátima 3. Sie wird seit drei Generationen geführt, und auch hier haben sich die Besitzer*innen dem verantwortungsvollen Abbau verpflichtet. Liz und ihre Eltern zeigten uns den nächsten Schritt der Weiterverarbeitung, den sie „Clarification“ nennen. Das Sandkonzentrat war hier schwarz, anders als bei ABEL 3, und wurde ebenfalls mit Wasser gewaschen. Das Gold setzte sich deutlich an der höchsten Stelle ab, der Sand wurde nach unten gespült. Auch diese konzentrierte Mischung war nun bereit für die Aufbereitungsanlage, die wir am nächsten Tag besuchen sollten.

Liz und ihre Eltern von der Mine Fatima 3.

Auf der Schräge rutscht der Sand nach unten, während das Gold oben liegen bleibt.

Der Schlamm mit nun hoher Goldkonzentration kommt in eine Tüte und dann in einen Eimer.

Unser kleiner Follower.

Die Minenarbeiter der Mine Fatima 3 um Liz und ihren Vater.

Hier haben wir uns danach noch die Baumschule angesehen. Welche Pflanzen wachsen am besten auf der kiesigen Erde, die zurückbleibt? Es wird gepflanzt und geforscht. Weit und breit kleine tropische Bäumchen, die auf ihren Einsatz warten und hoffentlich bald der Beginn eines artenreichen, lebendigen Waldes sein werden.

Mit Liz und ihrer Mutter.

Baumschule
Bevor wir wieder in unsere Wägelchen stiegen und zurück nach Puerto Maldonado fuhren, besuchten wir noch die Mine Linda 2. Hier vertrieben sich die Arbeiter*innen ihre Freizeit mit gemeinsamem Fußballspielen. In ihren Schulungsräumen zeigten sie uns die Samen, mit denen sie aufforsten.

Tags darauf hielt ich endlich richtige Goldstücke in der Hand. Sie waren schwerer als gedacht. In der Aufbereitungsanlage in der Nähe der AMATAF-Minen wurde das Goldschlamm-Gemisch auf einen Schütteltisch gegeben. Der Sand wurde vom Gold heruntergeschüttelt und vom Wasser davongetragen. Dabei konnten wir sogar zusehen. Nun war das Gold endlich rein genug, um geschmolzen zu werden. Der Schütteltisch war die entscheidende Hilfe, um auf Quecksilber verzichten zu können. So wird das Gold nur durch Bewegung und Wasser aus dem Schlamm gewonnen.

Der Schütteltisch

Das Goldschmelzen.

Vilma mit dem Ergebnis einer Tage.
„Seht mit eigenen Augen“, hatte Vilma gesagt. Das hatte ich getan. Und ich habe es auch gespürt, auf dem beschwerlichen Weg zu den Minen, der durch wunderschönen Wald ging und schließlich bloß noch durch Sand, leere Dieseltonnen, zurückgelassene einfache Hütten und dem, was man nicht sieht: ein Boden, verseucht mit Quecksilber. „Esst keinen Fisch in Puerto Maldonado, er enthält Quecksilber.“ wurde uns gesagt. Der illegale Goldabbau hat weitreichende sichtbare und unsichtbare Folgen.
Das Gold, mit dem ich arbeite, kommt aus Ananea. Davon erzähle ich im nächsten Teil.

